Ladeinfrastruktur · 4 Min. Lesezeit

Ladeleistung richtig planen: AC oder DC, 11 oder 22 kW?

Wie viel Ladeleistung Fahrzeuge wirklich brauchen, wann Wechselstrom reicht, wann Schnellladen sinnvoll ist und wie viel Anschlussleistung ein Standort benötigt – mit Formeln, Tabellen und Rechenbeispielen für Fuhrpark und Mitarbeitende.

Bei der Planung von Ladeinfrastruktur steht schnell die Frage im Raum: Wie viel Leistung brauchen wir? Die intuitive Antwort „so viel wie möglich“ ist fast immer falsch – und teuer. Entscheidend ist nicht die maximale Leistung, sondern wie viel Energie ein Fahrzeug in der Zeit braucht, in der es steht.

Die Grundrechnung: Energie durch Zeit

Ein Elektroauto verbraucht je nach Modell, Jahreszeit und Fahrweise etwa 15 bis 25 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, Transporter eher 25 bis 35. Daraus ergibt sich:

Benötigte Energie = Tagesfahrleistung × Verbrauch Benötigte Ladeleistung = Energie ÷ Standzeit

Für Ladeverluste rechnet man rund 10 Prozent hinzu.

Beispiel Mitarbeiterparkplatz: Ein Mitarbeiter pendelt 60 Kilometer am Tag, das Auto verbraucht 20 kWh/100 km. Er braucht also rund 12 kWh. Steht das Auto acht Stunden auf dem Firmenparkplatz, reichen rechnerisch 1,5 kW. Selbst mit Ladeverlusten genügt eine Wallbox mit 11 kW um ein Vielfaches.

Beispiel Servicefahrzeug: Ein Transporter fährt 200 Kilometer am Tag, verbraucht 30 kWh/100 km und steht über Nacht zwölf Stunden. Bedarf: rund 60 kWh, also etwa 5 kW im Schnitt. Auch hier reicht Wechselstrom.

Probieren Sie es mit Ihren Zahlen im Ladebedarf-Rechner.

Wie lange dauert das Laden?

Die Tabelle zeigt, wie lange es dauert, 30 kWh nachzuladen – das entspricht rund 150 Kilometern Reichweite:

Ladeart Leistung Dauer für 30 kWh Typischer Einsatz
AC einphasig 3,7 kW ca. 8 Std. Übernachtung, sehr geringe Fahrleistung
AC dreiphasig 11 kW ca. 3 Std. Arbeitsplatz, Fuhrpark, Wohnanlage, Hotel
AC dreiphasig 22 kW ca. 1,5 Std.* Nur für Fahrzeuge mit 22-kW-Bordlader
DC 50 kW ca. 40 Min. Kurze Standzeiten, Handel, Gastronomie
DC 150 kW ca. 15 Min.** Durchgangsverkehr, Logistik, Schnellladen

* nur, wenn das Fahrzeug 22 kW aufnehmen kann · ** abhängig von Fahrzeug, Akkutemperatur und Ladestand

AC-Laden: der Standard für lange Standzeiten

Beim Wechselstromladen (AC) wandelt das Ladegerät im Fahrzeug den Strom um. Typische Leistungen:

  • 11 kW – Standard für Wallboxen und Ladesäulen im Gewerbe
  • 22 kW – möglich, aber nur wenige Fahrzeuge können das tatsächlich nutzen

Die tatsächliche Ladeleistung hängt vom Bordlader des Fahrzeugs ab. Viele Autos laden an AC mit höchstens 11 kW, manche einphasig sogar nur mit 3,7 bis 7,4 kW. Eine 22-kW-Säule bringt ihnen nichts – kostet aber mehr und belastet den Netzanschluss stärker.

AC ist richtig, wenn Fahrzeuge mehrere Stunden stehen: am Arbeitsplatz, über Nacht im Fuhrpark, in der Wohnanlage, im Hotel.

DC-Laden: wenn es schnell gehen muss

Beim Gleichstromladen (DC) sitzt der Umrichter in der Ladesäule. Leistungen von 50 bis über 300 kW sind möglich. DC-Lader kosten ein Vielfaches einer AC-Wallbox, brauchen einen starken Netzanschluss und lohnen sich vor allem:

  • für Fahrzeuge mit kurzen Standzeiten und hoher Fahrleistung, etwa bei mehreren Touren am Tag,
  • an öffentlichen Standorten mit Durchgangsverkehr oder kurzer Verweildauer,
  • als ergänzender Schnelllader für Ausnahmefälle in größeren Fuhrparks.

Für öffentlich zugängliche Ladepunkte gelten zusätzliche Vorgaben, etwa zum spontanen Bezahlen ohne Vertrag, zur Preisangabe und zum Eichrecht.

Viele Ladepunkte, ein Netzanschluss

Zehn Wallboxen à 11 kW ergeben rechnerisch 110 kW. In der Praxis laden aber selten alle gleichzeitig mit voller Leistung – und die meisten Fahrzeuge brauchen nur einen Bruchteil davon. Das Verhältnis aus tatsächlich gleichzeitig abgerufener und maximal möglicher Leistung heißt Gleichzeitigkeitsfaktor. Bei Mitarbeiterparkplätzen liegt er häufig deutlich unter 0,5.

Ein Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung und sorgt dafür, dass der vorhandene Anschluss reicht. Wie das funktioniert, erklärt der Artikel Lastmanagement.

Rechenbeispiel: Fuhrpark mit 15 Fahrzeugen

Fahrzeuggruppe Anzahl km/Tag Verbrauch Energie/Tag gesamt
Pkw Außendienst 8 120 18 kWh/100km ca. 173 kWh
Transporter Service 5 150 30 kWh/100km ca. 225 kWh
Poolfahrzeuge 2 40 18 kWh/100km ca. 14 kWh
Summe 15 ca. 412 kWh

Mit 10 Prozent Ladeverlusten sind das rund 450 kWh pro Nacht. Bei zehn Stunden Standzeit genügen im Schnitt 45 kW Anschlussleistung – statt 165 kW für 15 Wallboxen à 11 kW ohne Steuerung. Fünfzehn 11-kW-Ladepunkte mit Lastmanagement und einer Reserve für Ausnahmen sind hier die wirtschaftliche Lösung. Ein DC-Lader lohnt sich erst, wenn Transporter tagsüber zwischen zwei Touren nachladen müssen.

Planungstipps

  1. Standzeiten erfassen: Wann kommen die Fahrzeuge, wann fahren sie?
  2. Fahrleistung kennen: Kilometer pro Tag je Fahrzeuggruppe, auch im Winter.
  3. Fahrzeuge prüfen: Welche AC-Leistung kann der Bordlader, ein- oder dreiphasig?
  4. Netzanschluss prüfen: Wie viel Leistung ist zu welcher Tageszeit frei?
  5. Für die Zukunft planen: Leitungswege und Verteilung für mehr Ladepunkte auslegen als heute nötig.
  6. Lastmanagement von Anfang an: Später nachrüsten ist teurer.

Fazit

Für die allermeisten gewerblichen Anwendungen ist AC-Laden mit 11 kW und Lastmanagement die wirtschaftlichste Lösung. DC-Schnelllader sind sinnvoll, wo Fahrzeuge kurz stehen und viel fahren. Wer seinen Bedarf aus Fahrleistung und Standzeiten ableitet, spart Investition und Netzkosten – und erfüllt nebenbei die neuen Pflichten nach dem GEIG.

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Häufige Fragen

Reicht eine 11-kW-Wallbox für den Firmenparkplatz?

In den allermeisten Fällen ja. Ein Fahrzeug mit 60 km Tagesfahrleistung braucht rund 12 kWh. Bei acht Stunden Standzeit reichen rechnerisch 1,5 kW – eine 11-kW-Wallbox liefert ein Vielfaches davon.

Lohnt sich eine 22-kW-Wallbox?

Selten. Viele Elektroautos laden an Wechselstrom mit höchstens 11 kW, weil ihr Bordlader nicht mehr kann. Eine 22-kW-Wallbox kostet mehr und belastet den Netzanschluss stärker, ohne dass die meisten Fahrzeuge schneller laden.

Wann brauche ich einen DC-Schnelllader?

Wenn Fahrzeuge kurz stehen und viel fahren – etwa Service- oder Lieferfahrzeuge mit mehreren Touren am Tag – oder an öffentlichen Standorten mit kurzer Verweildauer. Für Mitarbeiterparkplätze und Fuhrparks, die über Nacht laden, ist AC fast immer wirtschaftlicher.

Wie viel Anschlussleistung brauchen zehn Ladepunkte?

Ohne Steuerung rechnerisch 110 kW bei 11 kW je Ladepunkt. Mit dynamischem Lastmanagement genügen je nach Standzeiten und Fahrleistung oft 30 bis 50 kW, weil nicht alle Fahrzeuge gleichzeitig mit voller Leistung laden.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorgaben und Marktbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Richtlinien.

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