Ein Lastgang zeigt, wie viel Strom Ihr Betrieb in jeder Viertelstunde des Jahres bezieht. Wer ihn auswertet, erkennt in wenigen Stunden, wodurch die Leistungskosten entstehen, wie hoch der Verbrauch außerhalb der Betriebszeit ist und wie groß ein Speicher oder eine Photovoltaikanlage sein sollte. Die Daten liegen bei den meisten Unternehmen mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch längst vor – beim Messstellen- oder Netzbetreiber.
Was ist ein Lastgang?
Der Lastgang ist eine Zeitreihe: Datum, Uhrzeit und ein Messwert je Viertelstunde. Ein Jahr hat 35.040 Viertelstunden, im Schaltjahr 35.136. Bei Letztverbrauchern mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch erfolgt die Messung nach § 55 Messstellenbetriebsgesetz in der Regel als Zählerstandsgang oder viertelstündige registrierende Lastgangmessung (RLM). Kleinere Betriebe haben einen Lastgang nur, wenn ein intelligentes Messsystem eingebaut ist oder eigene Zähler mitschreiben.
Der Lastgang ist damit keine Schätzung wie ein Standardlastprofil, sondern das tatsächliche Verhalten Ihres Betriebs – genau die Daten, nach denen auch der Netzbetreiber abrechnet.
Wo bekomme ich meinen Lastgang?
| Quelle | Was Sie erhalten | Hinweis |
|---|---|---|
| Messstellen- oder Netzbetreiber | Abrechnungsrelevante Viertelstundenwerte | Oft Kundenportal; manche verlangen ein Entgelt |
| Stromlieferant | Dieselben Werte, die er für die Rechnung erhält | Häufig im Geschäftskundenportal oder auf Anfrage |
| Intelligentes Messsystem | Zählerstandsgänge der letzten 24 Monate (§ 61 MsbG) | Über App oder Schnittstelle des Messstellenbetreibers |
| Eigene Messtechnik / EMS | Werte am Netzanschluss und an Unterzählern | Zeigt auch, welcher Verbraucher die Last verursacht |
Für die Anfrage brauchen Sie die Zählernummer oder die Marktlokations-ID (steht auf der Netz- oder Stromrechnung). Bitten Sie um die Viertelstundenwerte der letzten zwölf, besser 24 Monate als CSV- oder Excel-Datei. Viele Netzbetreiber stellen die Daten im Kundenportal zum Download bereit; für historische Lastgänge berechnen manche ein Entgelt – Stromnetz Berlin etwa nennt im Preisblatt 2025 50,89 Euro netto.
Wie lese ich die Datei richtig?
Bevor Sie Kennzahlen berechnen, prüfen Sie drei Dinge:
- Einheit: Steht dort kWh je Viertelstunde, multiplizieren Sie mit vier, um die mittlere Leistung in kW zu erhalten. Steht dort kW, ist der Wert bereits die Leistung.
- Vollständigkeit: Fehlen Tage oder stehen dort auffällig gleiche Werte, handelt es sich oft um Ersatzwerte. Der Messstellenbetreiber kennzeichnet sie in der Regel.
- Zeitumstellung: Der Tag der Umstellung auf Sommerzeit hat 92 Viertelstunden, der Tag der Rückstellung 100. Achten Sie darauf, dass Ihre Tabellenkalkulation diese Tage korrekt einliest.
Welche Kennzahlen zählen?
| Kennzahl | So berechnen Sie sie | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Jahresverbrauch | Summe aller Viertelstundenwerte in kWh | Abgleich mit der Rechnung |
| Jahreshöchstlast | Größter Leistungswert in kW | Grundlage des Leistungspreises |
| Benutzungsdauer | Jahresverbrauch ÷ Jahreshöchstlast | Preissystem unter oder ab 2.500 Stunden |
| Grundlast | Typische Leistung nachts und am Wochenende | Was immer läuft – oft mit großem Sparpotenzial |
| Anteil außerhalb der Betriebszeit | Verbrauch außerhalb der Schichten ÷ Jahresverbrauch | Einsparpotenzial ohne Eingriff in die Produktion |
| Tages- und Wochenprofil | Mittelwerte je Uhrzeit und Wochentag | Schichtbeginn, Anläufe, Pausen, Laden |
| Jahresdauerlinie | Alle Werte der Größe nach sortiert | Wie selten die Spitzen wirklich sind |
Wie Sie die Spitzen im Detail analysieren und mit einem Speicher kappen, beschreibt der Artikel zur Lastspitzenkappung mit Batteriespeicher. Hier geht es um das Gesamtbild.
Was verrät die Grundlast?
Die Grundlast ist die Leistung, die auch dann anliegt, wenn niemand arbeitet: Druckluft, Lüftung, Kälte, Server, Beleuchtung, Standby von Maschinen. Weil sie über tausende Stunden im Jahr läuft, wirkt schon eine kleine Senkung stark. Die größten Hebel liegen meist bei Leckagen im Druckluftnetz, Zeitprogrammen für Lüftungsanlagen, dem Standby von Maschinen sowie Heizbändern und Pumpen, die nur bei Bedarf laufen müssen.
Ein Vergleich hilft: Liegt die Last am Sonntagmorgen bei mehr als einem Viertel der Werktags-Höchstlast, lohnt sich ein Rundgang mit der Frage, was da eigentlich läuft.
Beispielrechnung: Grundlast und Benutzungsdauer
Ein Betrieb arbeitet werktags von 6 bis 18 Uhr. Die Auswertung des Lastgangs ergibt:
- Jahresverbrauch: 1.200.000 kWh
- Höchster Viertelstundenwert: 105 kWh → 105 × 4 = 420 kW Jahreshöchstlast
- Benutzungsdauer: 1.200.000 kWh ÷ 420 kW = rund 2.860 Stunden – also im Preissystem ab 2.500 Stunden mit hohem Leistungspreis
- Grundlast nachts und am Wochenende: 60 kW
Außerhalb der Betriebszeit liegen pro Woche 108 von 168 Stunden, im Jahr also rund 5.600 Stunden. Gelingt es, die Grundlast um 15 kW zu senken, etwa durch Leckagesuche und Zeitprogramme:
- 15 kW × 5.600 h = 84.000 kWh weniger Verbrauch pro Jahr
- Bei einem angenommenen Strompreis von 20 ct/kWh: rund 16.800 Euro pro Jahr
Die Werte sind eine Beispielrechnung mit typischen Annahmen. Sie zeigt, wie viel Potenzial im Blick auf die Nacht steckt – zusätzlich zum Blick auf die Spitze. Ihre Spitzenwerte können Sie im Lastspitzen-Rechner durchspielen.
Was zeigt der Lastgang für Speicher, Photovoltaik und Laden?
- Batteriespeicher: Höhe, Dauer und Abstand der Spitzen bestimmen Leistung und Kapazität. Mehr dazu im Artikel Batteriespeicher im Gewerbe.
- Photovoltaik: Legen Sie das Tagesprofil neben einen typischen Solarertrag. Je mehr Last mittags anliegt, desto höher der Eigenverbrauch – warum das bei neuen Anlagen besonders zählt, erklärt der Artikel zum Solarspitzengesetz.
- Ladepunkte: Der Lastgang zeigt, wie viel Leistung am Netzanschluss zu welcher Uhrzeit noch frei ist – und ob Lastmanagement reicht.
- Energiemanagement: Ein KI-gestütztes Energiemanagement lernt aus genau diesen Daten, wann Spitzen wahrscheinlich sind.
Darauf kommt es an
- Die Einheit zuerst prüfen: kWh je Viertelstunde mal vier ergibt die Leistung in kW – so stimmen alle weiteren Werte.
- Ein ganzes Jahr auswerten: Die Jahreshöchstlast liegt oft in einem einzigen Wintermonat oder in einer Sonderschicht.
- Spitze und Grundlast gemeinsam betrachten: Gerade in der Grundlast steckt oft das größte Sparpotenzial.
- Ausreißer gesondert bewerten: Testläufe oder Störungen erkennen – so wird die Auslegung eines Speichers präzise.
- Den Betriebskalender danebenlegen: Schichtpläne, Feiertage und Wartungen erklären, warum die Kurve so aussieht.
Checkliste: Lastgang auswerten in sechs Schritten
- Zählernummer oder Marktlokations-ID von der Rechnung notieren
- Viertelstundenwerte der letzten 12–24 Monate anfordern
- Einheit, Lücken und Zeitumstellung prüfen
- Jahresverbrauch mit der Rechnung abgleichen
- Höchstlast, Benutzungsdauer und Grundlast berechnen
- Tages- und Wochenprofil neben Schichtplan und Betriebskalender legen
Fazit
Der Lastgang ist die günstigste Energieanalyse, die es gibt: Die Daten sind meist schon vorhanden, und die Auswertung dauert nur Stunden. Danach steht die Entscheidung für die passende Technik auf einer sicheren Grundlage.
Sie möchten Ihren Lastgang auswerten lassen? Starten Sie die Ersteinschätzung.
Stand: Oktober 2026. Rechtsgrundlage: §§ 55, 61 Messstellenbetriebsgesetz.
Häufige Fragen
Was ist ein Lastgang?
Ein Lastgang ist die Aufzeichnung des Strombezugs eines Betriebs in festen Zeitabständen, bei Gewerbe und Industrie meist in Viertelstundenwerten. Ein Jahr ergibt rund 35.000 Werte. Daraus lassen sich Höchstlast, Grundlast, Benutzungsdauer und typische Tages- und Wochenmuster ablesen – die Grundlage für Energiesparmaßnahmen und die Auslegung von Speicher, Photovoltaik oder Ladepunkten.
Wo bekomme ich meinen Lastgang?
Beim Messstellenbetreiber, in vielen Fällen ist das der örtliche Netzbetreiber. Viele bieten ein Kundenportal mit Download an. Alternativ hilft Ihr Stromlieferant, der die Daten für die Abrechnung erhält. Für die Anfrage brauchen Sie Zählernummer oder Marktlokations-ID. Einzelne Netzbetreiber berechnen für historische Lastgänge ein Entgelt.
Habe ich überhaupt einen Lastgang?
Ab mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch misst der Zähler den Strombezug nach § 55 Messstellenbetriebsgesetz in der Regel im Viertelstundentakt. Darunter gibt es einen Lastgang nur mit intelligentem Messsystem oder eigener Messtechnik. Ein Blick auf die Netzrechnung hilft: Steht dort ein Leistungspreis, liegt eine Leistungsmessung vor.
Wie rechne ich Viertelstundenwerte in Kilowatt um?
Manche Dateien enthalten die Energie je Viertelstunde in kWh, andere die mittlere Leistung in kW. Ist die Einheit kWh, multiplizieren Sie den Wert mit vier: 105 kWh in 15 Minuten entsprechen einer mittleren Leistung von 420 kW. Prüfen Sie die Einheit deshalb immer zuerst – dann stimmen alle weiteren Kennzahlen.
Welcher Zeitraum ist für die Auswertung sinnvoll?
Mindestens zwölf zusammenhängende Monate, damit Sommer, Winter, Ferien und Inventurzeiten enthalten sind. Für Entscheidungen über Speicher oder Photovoltaik sind zwei Jahre besser, weil sich Ausreißer und Trends dann unterscheiden lassen. Hat sich der Betrieb stark verändert, etwa durch neue Maschinen oder Ladepunkte, zählt vor allem der aktuelle Zeitraum.
Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorgaben und Marktbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Richtlinien.
