ESG & Nachhaltigkeit · 3 Min. Lesezeit

VSME: Der Nachhaltigkeitsbericht für den Mittelstand

Was der freiwillige VSME-Standard ist, wie Basis- und umfassendes Modul aufgebaut sind, warum er seit dem CSRD-Omnibus zum Maßstab für Lieferkettenanfragen wird und wie Sie in fünf Schritten zum Bericht kommen.

Viele Unternehmen erleben dasselbe: Die Hausbank schickt einen ESG-Fragebogen, ein Großkunde will CO₂-Daten, eine Ausschreibung fragt nach Nachhaltigkeitszielen. Jeder Fragebogen ist anders – und jedes Mal beginnt die Suche von vorn. Der VSME-Standard ordnet dieses Durcheinander.

Was ist VSME?

VSME steht für Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs – einen freiwilligen Berichtsstandard für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen. Entwickelt hat ihn die EFRAG, die Beratungsgruppe, die auch die Standards für große Unternehmen erarbeitet. Die EU-Kommission hat ihn 2025 als Empfehlung veröffentlicht.

Der Standard ist bewusst schlank. Er bündelt die Angaben, die Banken, Kunden und Investoren am häufigsten abfragen – in einer einheitlichen Form, die sich jedes Jahr fortschreiben lässt.

Aufbau: Basismodul und umfassendes Modul

Modul Inhalt Für wen
Basismodul Grundlagen des Berichts, Energie und Treibhausgase, Umweltverschmutzung, Biodiversität, Wasser, Ressourcen und Abfall, Beschäftigte, Arbeitssicherheit, Vergütung und Weiterbildung, Korruption Einstieg für fast alle Unternehmen
Umfassendes Modul Geschäftsmodell und Strategie, Klimaziele und Übergangsplan, Klimarisiken, weitere Angaben zu Beschäftigten und Menschenrechten, Governance Wenn Banken oder Großkunden mehr wissen wollen

Viele Angaben gelten nur, wenn sie für das Unternehmen relevant sind. Ein Bürodienstleister muss keine Angaben zu Prozessemissionen machen, die es bei ihm nicht gibt.

Warum VSME gerade jetzt wichtig wird

Mit der Omnibus-Richtlinie 2026 sind die meisten Unternehmen nicht mehr selbst zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD verpflichtet. Die Fragen verschwinden damit aber nicht:

  • Banken müssen Nachhaltigkeitsrisiken bei Krediten berücksichtigen und fragen deshalb weiter nach Daten.
  • Großkunden, die selbst berichten, brauchen Angaben aus ihrer Lieferkette. Von Partnern mit weniger als 1.000 Beschäftigten sollen sie dabei grundsätzlich nicht mehr verlangen, als der freiwillige Standard für KMU vorsieht.
  • Ausschreibungen fragen zunehmend nach Klimadaten und Zielen.

Ein VSME-Bericht wird damit zur gemeinsamen Antwort auf viele Anfragen – und zum Schutzschild gegen überzogene Fragebögen.

In fünf Schritten zum Bericht

  1. Umfang festlegen: Basismodul oder umfassendes Modul? Welche Standorte und Gesellschaften gehören dazu?
  2. Daten sammeln: Verbräuche, Personal- und Abfalldaten aus Abrechnungen, Lohnbuchhaltung und Entsorgungsnachweisen.
  3. CO₂-Bilanz erstellen: Scope 1 und 2 sind Pflichtbestandteil des Basismoduls; Scope 3 ist dort freiwillig. Siehe CO₂-Bilanz erstellen.
  4. Texte und Kennzahlen zusammenstellen: Kurze Beschreibungen von Maßnahmen und Richtlinien, ergänzt um Kennzahlen.
  5. Prüfen, freigeben, teilen: Plausibilität prüfen, von der Geschäftsführung freigeben, an Bank und Kunden geben.

Was Sie für einen VSME-Bericht brauchen

Bereich Daten Wo sie liegen
Energie Strom, Gas, Heizöl, Fernwärme eines Jahres Abrechnungen der Versorger
Fuhrpark Kraftstoff- und Ladestrommengen Tankkarten, Ladeabrechnung
Abfall Mengen nach Art, gefährliche Abfälle Entsorgungsnachweise
Wasser Verbrauch, falls relevant Wasserrechnung
Beschäftigte Anzahl, Vertragsarten, Fluktuation, Weiterbildung Lohnbuchhaltung, Personalabteilung
Arbeitssicherheit Arbeitsunfälle, Ausfalltage Berufsgenossenschaft, Sicherheitsfachkraft
Governance Verhaltenskodex, Verfahren zu Korruption und Bußgeldern Geschäftsführung

Vieles davon liegt bereits vor – es ist nur über das Unternehmen verteilt.

Darauf kommt es an

  • Mit dem passenden Umfang starten: Das Basismodul genügt für die meisten Anfragen.
  • Mit der CO₂-Bilanz beginnen: Der Energie- und Klimateil ist das Herzstück und wird am häufigsten abgefragt.
  • Annahmen dokumentieren: So lässt sich der Bericht im nächsten Jahr einfach fortschreiben.
  • Maßnahmen ableiten: Aus den Zahlen entstehen konkrete Einsparungen.

Vom Bericht zum Nutzen

Ein Bericht allein spart keinen Euro. Der eigentliche Wert liegt darin, was die Zahlen zeigen: Wo wird Energie verschwendet? Welche Maßnahmen rechnen sich? Deshalb gehört zu einem guten VSME-Bericht ein Maßnahmenplan mit Wirtschaftlichkeit – etwa für Photovoltaik, einen Batteriespeicher oder die Elektrifizierung des Fuhrparks. Wie daraus ein Plan wird, zeigt der Artikel Klimastrategie.

Hinweis: Die EU entwickelt den Standard als Referenz für die Wertschöpfungskette weiter. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fassung.

Sie wurden nach ESG-Daten gefragt? In der Ersteinschätzung klären wir, was wirklich verlangt wird.

Häufige Fragen

Ist der VSME-Bericht Pflicht?

Nein. Der VSME-Standard ist freiwillig. Er wird aber zum gemeinsamen Maßstab: Banken orientieren sich daran, und berichtspflichtige Kunden sollen von kleineren Zulieferern grundsätzlich nicht mehr verlangen, als der Standard vorsieht.

Wie lange dauert ein VSME-Bericht?

Für ein Unternehmen mit überschaubarer Struktur ist ein Basisbericht in einigen Wochen machbar – der größte Aufwand ist das erstmalige Sammeln der Daten, vor allem für die CO₂-Bilanz. Ab dem zweiten Jahr wird er im Wesentlichen fortgeschrieben.

Basismodul oder umfassendes Modul?

Für die meisten Unternehmen ist das Basismodul der richtige Einstieg. Das umfassende Modul lohnt sich, wenn Bank oder Großkunden ausdrücklich Angaben zu Strategie, Klimazielen und Klimarisiken verlangen.

Muss der VSME-Bericht geprüft werden?

Eine gesetzliche Prüfpflicht gibt es nicht. Wichtig ist, dass Daten, Quellen und Annahmen nachvollziehbar dokumentiert sind. Manche Banken oder Kunden wünschen eine Plausibilisierung durch Dritte.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Vorgaben und Marktbedingungen ändern sich; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Richtlinien.

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